Prävention Extremismus                                                                                                                               ______________________________________________________________________

                 

 

                                                              Salafismus in Deutschland

                                       

 

30.7.2018 | Bernd Ridwan Bauknecht

 

 Über spezielle Internetseiten suchen islamistische Gruppierungen Kontakt zu Jugendlichen. (© imago)
Über spezielle Internetseiten suchen islamistische Gruppierungen Kontakt zu Jugendlichen. (© imago)

  Im Bann der Prediger

 

"Syrien blutet, meine lieben Geschwister im Islam. Und Syrien versinkt im Blut. Die gesegnete Erde Allahs, die Erde des Imam, die Erde des Glaubens, versinkt im Blut. […]

Dieser Kampf, der dort begonnen hat, ist die Vorbereitung für das Ende der Zeit. […] Es ist

kein Krieg wie ein anderer Krieg in Libyen oder in Tunesien, es ist keine Revolution wie eine andere. […] Es sind die Vorbereitungen auf den Islam oder gegen den Islam. Für den Sieg von la illaha illa llah (Glaubensbekenntnis: Es gibt keine Gottheit außer Gott) oder für die Schande der umma (Gemeinde) von Muhammad. […] Dort kämpft die gesamte Menschheit und Europa gegen die Muslime." 

 

Dies sind kurze Ausschnitte aus einer rund halbstündigen Rede von Brahim Belkaid, der öffentlich und in Internetbeiträgen als Abu Abdullah bekannt ist. Der jugendlich und durchaus charismatisch wirkende Prediger, der dem radikalen Netzwerk "Die Wahre Religion" (DWR) angehört, sprach im April 2013 auf einer der "Benefizveranstaltungen für Syrien", bei denen um Spendengelder geworben wurde. Wie üblich wurde ein Mitschnitt auf Youtube hochgeladen. 

Wie auch bei anderen Formen des politischen Extremismus werden bestehende Probleme und Ungerechtigkeiten aufgegriffen, um sie dann in einen eigenen Deutungskomplex zu stellen. Das Leid der Syrer, von denen über drei Millionen das Land verlassen haben, Millionen sich innerhalb des Landes auf der Flucht befinden und von denen rund 200.000 Menschen starben, ist eine Tatsache. Doch nach der Logik vieler Salafisten sind sie nicht Opfer eines gnadenlosen Krieges, bei dem immer die Zivilbevölkerung leidet, sondern sie sind Opfer, weil sie Muslime sind. 

Im Anschluss schildert Abu Abdullah sehr emotional das Leiden syrischer Frauen, um danach an das schlechte Gewissen der Zuhörer im "bequemen Deutschland", an das Gerechtigkeitsempfinden, die Solidarität, aber auch an die "echte Männlichkeit" zu appellieren. 

Das Netzwerk DWR und die Aussagen seiner Protagonisten weisen inhaltliche Merkmale auf, die sie mit dem Mainstream-Salafismus teilen. Typisch ist die Annahme einer bipolaren Welt, in der das Gute, die Wahrheit, der Islam verkörpert, während das Böse der Teufel (Schaitan) ist. Diese bipolare Welt bestehe somit aus Menschen, die der Wahrheit folgen, und Menschen, die die Wahrheit bekämpfen. Dieser Kampf zwischen "gut" und "böse" sei bis zum Ende angelegt, wechseln würden nur die Akteure. 

"Wir sagen die Wahrheit", sagt zumindest Ibrahim Abou Nagie, der Gründer von DWR und Initiator der Koranverteilaktion "Lies!". Der Anspruch auf absolute Wahrheit, den er damit vertritt, ist ein weiteres wichtiges Merkmal des Salafismus. In einer bipolaren Welt sehen sich Salafisten als Vertreter des Guten, als Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit. Sie beteiligen sich an einem Kampf, der bis zum Weltenende dauert (Apokalypse) und nach dessen Ende sie in einer anderen Welt für diesen Einsatz belohnt werden (eschatologisches Heilversprechen) – Vorstellungen, die manche Jugendliche und auch manche Erwachsene anzusprechen scheinen. 

Verstärkt wird die Botschaft durch das Konzept der Fremdheit: Ghuraba (ġurabāʾ). Ghuraba wird in der klassischen arabischen Poesie nicht als Merkmal der Herkunft, sondern als ein Gefühl beschrieben. Man solle auf dieser Welt wie ein Fremder wandeln, denn im Vergänglichen liege nicht das Glück.

Die Uneindeutigkeit des Begriffs nutzen Salafisten, um ihn im Sinne ihrer Ideologie zu interpretieren: Sie seien die auserwählte Gemeinschaft, die auf der Welt fremd ist, als fremd angefeindet wird, die aber als Einzige dem Propheten nahe stehe. Viele Videos werden durch ein nashid (našīd, Plural Anāšīd) begleitet. Diese Vokalgesänge mit religiösem Kontext gelten, da sie sich keiner Musikinstrumente bedienen, als religiös erlaubt und sollen eine emotionale Sehnsucht wecken. 

Hiervon angesprochen fühlen sich etwa Jugendliche, die noch nicht in ihrer Persönlichkeit gefestigt sind. Sie können im Salafismus ihre Wunschvorstellung einer intakten, heroischen, auserwählten und gerechten Gemeinschaft verwirklicht sehen. Einen ersten Zugang bieten spezielle Webseiten, die leicht über ein, zwei Klicks im Internet zu erreichen sind. Ist das Interesse geweckt, kann der aktive Einstieg im realen Leben durch Anwerber und innerhalb von Peer-Gruppen stattfinden. 

 

Weiter unter:  www.bpb.de

 

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                                             generalanzeiger-bonn-de, 07.05.2012

 

                               Salafismus – pädagogische Herausforderung in Bonn.

                                   Fachvorträge, Reflexion und praxisorientierte Workshop

 In den vergangen Monaten wurden in Bonn von pädagogischen Fachkräften in unterschiedlichen sozialpädagogischen Handlungsfeldern Bedarfe nach einer praxisorientierten Aneignung und Reflexion von Haltungs- und Handlungskompetenzen im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Eltern in Hinwendungsprozessen zum Phänomen des sog. Salafismus benannt. Dieser Bedarf wird in Form eines handlungsfeldspezifischen sowie praxisorientierten Fachtages aufgegriffen. Neben Fachvorträgen, werden praxisorientierte Workshops angeboten. Dadurch wird die Möglichkeit einer Theorie-Praxis-Reflektion ermöglicht. In den handlungsfeldspezifischen Workshops werden insbesondere Fragen nach einem pädagogischen Umgang mit salafistischen Orientierungs- und Handlungsmustern der unterschiedlichen Klientel thematisiert. Der Fachtag soll sozialraumorientierte Vernetzung innerhalb Bonns anregen und fördern. Akteure aus Bonn sowie aus umliegenden Regionen kommen zu Wort. An dem Fachtag nehmen neben Fachkräften engagierte Jugendliche aus Bonner Stadtteilen teil – sie werden eingeladen, sich im Projekt „180 Grad Wende“ zu engagieren.

 

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Weiterführende Links:

 

 

www.projekt-praevention.de