Islam                                                                                                                                                                                                ___________________________________________________________________________

                                                                                                                                                                                                                    03.07.2019

                                                                                                                                                                                                                   30.10. 1440

 

 

                                                                                                                                                         وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ إِلَّا اللَّهُ

                                                                                                    Und niemand weiß seine Deutung außer Allah.                                                                                                                                                                                 Ãl ʿImrān (3),7 […]

                    

 

 

                                           ʿĪsā ibn Maryam – Jesus, Sohn der Maria

                                          Ein kleiner Exkurs der vergleichenden Theologie

 

Betrachtet „man“ einmal die Theophanie, die sich in der Geschichte Jesu offenbart mit jenen vorangehenden abrahamitischen Propheten bis hin zu Muhammad (ṣallā Allāhu ʿalayhim wa-sallam) „nebeneinander“, dann lässt sich im Hinblick auf eine „anthropomorphe Evolution“ ein gewisser „Anachronismus“ nicht übersehen. Aus welcher geschichtlichen Notwendigkeit heraus auch immer die Gottheit Allah – Sie ist erhaben - sich dafür entschieden haben mag, „anachronistisch“ vorzugehen, dem gegenwärtigen Diskurs bleibt die „Jungfrauengeburt“ - und damit verbunden „ die Erscheinung Jesu als ein vollkommenes Ebenbild Gotte(aḥsani taqwīm,  95:4) , der  Tote auferwecken konnte“ - nach wie vor ein unerklärlicher Tatbestand.

 So als ob ein aus der Zukunft stammender Mann in seine Vergangenheit geholt wird, der dadurch notwendigerweise einen Bruch mit seiner Gegenwart erleidet.

Worin also bestand die Notwendigkeit einer solchen Gottesoffenbarung und gibt der Koran dafür eine für menschliche Begriffe nachvollziehbare Erklärung?

 Bevor eine kurze textpragmatische Ausführung zur Geschichte Jesu und seiner Mutter Maria im Koran folgt, soll zur besseren Erschließung des Sitzes im Leben ein Blick nach Jerusalem um die Jahre Null geworfen werden. Um ein wenig im zeitgeschichtlichen Diskurs zu bleiben, sei hier die Sicht Abraham Geigers (1810-1874) gewählt, der im Zuge seiner Reformbemühungen für das europäische Judentum die Anfänge  der historisch-kritischen Wissenschaft in der Bibel- und trotz der Epigonalität auch in der Koranforschung 1 markiert und den „historischen Jesus“ als „jüdischen Jesus“  2 anerkennt: 3

„Wohl erhob auch Herodes, nachdem er die Bande, welche ihn mit den Hasmonäern verknüpft, gewaltsam gelöst hatte, Priester, mit denen er sich verschwägerte, zur Würde des Hohenpriestertums, um die beiden grossen Volksgewalten möglichst in seiner Hand zu vereinigen. Allein dieses höchste religiöse-nationale Institut war einmal seit dem Beginne des neuen Staatslebens in der Familie der Zadokiten erblich gewesen, hatte sich mit ihr identificiert, und mochten auch manche Träger  des Hohenpriesterthums aus dieser Familie sich desselben unwürdig gezeigt haben, so wurde dennoch deshalb der ihr aufgeprägte Stempel der Heiligkeit in den Augen des  Volkes  nicht verlöscht […] Daher blieben die Zadokiten oder Sadducäer -  wie sie aramäisch und griechisch hiessen – immer weiter die wirklichen oder stellvertretenden hohenpriesterlichen Functionäre, sie waren die alten hohenpriesterlichen, adeligen Geschlechter. […] Die Zadokiten hatten somit aufgehört, die Regenten zu sein, sie waren nicht mehr die Malkhizedek, „die Könige der Gerechtigkeit“, nicht mehr die Zaddikim 4 „die Gerechten“, sie standen nicht mehr über dem Volke; die Sadducäer, in welchem die Zadokiten den Kern bildeten, waren nun eine Partei im Volke, […] eine kleine aber mächtige Partei.“ 5

In der von seinem Sohn Ludwig Geiger (1848-1919) herausgegebenen Biographie " Abraham Geiger -  Leben und Lebenswerk" findet sich eine Sammlung an Würdigungen und Kritiken zu A. Geigers  Hauptwerk "Urschrift", aus dem das obige Zitat stammt. Der Hebraist Moritz Steinschneider (1816 -1907) schreibt im  "Magazin für die Literatur des Auslandes 1875" dazu:

"Das Werk ‘Urschrift und Übersetzung der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der inneren Entwicklung des Judenthums‘ findet den Kern der alten Sektenspaltung […] in politische Parteien, einer Priesteraristokratie und einer demokratischen Bewegung, welche im zweiten Jahrhundert eine radikale Umgestaltung von Gesetz und Sitte bewirkte und nach ihrer Richtung hin den Bibeltext nicht bloß auslegte, sondern tatsächlich änderte “. 6 

Innerhalb dieses religions-geschichtlichen Kontextes greift der Koran zwei der für die adamitisch-abrahamitische Theologie wesentlichen Veränderungen auf, die sich seit Salomo im Diskurs des Selbstverständnis der Israeliten zeigen: Erstens der Umstand, dass für den Tempel 7- und späteren Priesterdienst nur männlichen Zöglingen rituelle „Reinheit“   ( طهارة   / טָהֳרָה ṭahāra) 8  zugesprochen wird und zweitens der Unglaube der Sadduzäer an ein Leben nach dem Tod. 9

So beginnt die Geschichte Jesu im Koran eigentlich mit der Geschichte seiner Mutter,

wie auch Marias (Maryam) Geschichte schon im Bauch ihrer Mutter (Hannah) beginnt, wo sie  Subjekt eines Gelübdes ist, das mit dem festen Glauben abgelegt wird, dass das im Bauch entstehende neue Leben ein Junge werden wird.  Nachdem in Vers 30 der Sure Ãl ʿImrān an die endzeitliche Abrechnung jeder Seele/Person mit sich selbst (yawma taǧidu kullu nafsin mā ʿamilat) erinnert wird und die Gemeinde zur Gefolgschaft des Gesandten und zur  Gottesliebe 10aufgerufen wird (Vers 31+32) 11, greift der Koran in einer generellen Gleichstellung die aaronidische Linie auf und führt sie bis auf Adam als dem Vater aller Menschen zurück:

“Gewiß, Gott hat Adam und Noah und die Familie Abrahams und die Familie  12 von den Weltenbewohnern bestimmt, eine der anderen Nachkommenschaft(ḏurriyyatan) 13.  Und Gott ist Allhörend und Allwissend‘Imrāns Frau (Hannah) sagte: “Mein Herr, ich weihe (naḏartu) Dir, was in meinem Inneren (baṭnī) ist -  zu  Deinen Diensten  (muḥarraran). Nimm es von mir an. Fürwahr, Du bist der Allhörende und Allwissende'. Als sie (Hannah) sie (Maria) geboren hatte, rief sie: ‘Mein Herr, ich habe ja ein Mädchen zur Welt gebracht'.  Und Gott wusste (a‘lamu) wohl, was sie zur Welt gebracht hatte. Denn das Männliche ist nicht wie das Weibliche (wa-laysa ḏ-ḏakaru ka-l-ˈunṯā) .”

(Ãl ‘Imrān; 3:33-36) 14

Die Hervorhebung der Unterschiedlichkeit von Männlichem und Weiblichen ist hier in doppelter Weise eine rhetorische Antwort auf die the-o-kratischen Verhältnisse Israels der Zeitenwende.

Diesem ersten Widerspruch Gottes gegen ein ausschließlich männliches Priesteramt

folgt ein zweiter semantischer Diskurs, der gleich zwei Metaereignisse als eine für unmöglich geglaubte Wirk-lich-keit über das System der sadduzäischen Glaubenswelt hereinbrechen lässt: Gott selbst ist es, der Maria nach Seinen Kriterien von den Bestimmungen der „niederen Natur“  (سِجِّين /siğğīn) 15reinigt (وطهرك /wa ṭahharaki) 16 und erst jetzt  wird das „Gesetz/Wort Gottes“ (kalimat al-ḥaḍra) wirk-lich:

[…]wa-nafaḫnā fīha min rūhina wa-ṣaddaqat bi-kālimāti rabbihā wa-kutubihī wa-kānat mina l-qānitīn /und wir hauchten in sie von Unserem Geist und sie glaubte (ṣaddaqat) an das Wort ihres Herrn und an Seine Bücher und war eine der Gottergebenen“. 17  

 Die "unbefleckte Empfängnis" liegt nicht in ihrer "Jungfräulichkeit", sondern in der Reinheit ihres Glaubens begründet, die die Gegenwart göttlicher Wirklichkeit (nafs al ḥaqq) 18 überhaupt ermöglicht, wie sie Jesus in seiner Vollkommenen Natur bestätigt:

„Ihr Kinder Israels, fürwahr, ich bin euch ein Gesandter Gottes, um das zu bestätigen, was ich von der Thora in meinen Händen halte (muṣaddiqan li-mā bayna yadayya mina t-tawrāti).“19

Dem Morphem ṣaddaqat liegt die semitische Wurzel ṣ-d-q ( صدق/ צדק) zugrunde, von der sich der Name des Priestergeschlechtes „Zaddikim“ (צְדוֹקִים Ṣəḏōqīm) ableitet, das sich über eine aaronidische Genealogie die priesterliche Legitimation gesichert weiß. Grundsätzlich im Koran und insbesondere hier in Sure Ãl ʿImrān ist diese Wurzel als terminus technicus theologicae 20 zu lesen, der die vorherrschende Orthopraxie der Priesterkaste mit ihrem patriarchalen Verständnis aus den Angeln hebt. In diesen Nexus gehört auch die Titulierung (Pragmatik) Marias als „Schwester Aarons“ (yā uḫta Hārūna) in Vers 28 der Sure Maryam (19).  Es liegt hier keine Verwechslung seitens Muhammad vor, sondern wie im vorigen  Vers (19:27) beschrieben, kommt Maria mit dem Kind im Arm zu ihrer Gemeinde (fa ’atat bihi qawmahā taḥmiluhu qālū) und wird von der Gemeinde als Person ihres Amtes angesprochen.21

 

Ayfer Dağdemir

 

 


[1] Vgl. A. Neuwirth, „Im vollen Licht der Geschichte“, Die Wisschenschaft des Judentums und die Anfänge der kritischen Koranforschung, ERGON-Verlag 2008, 27-28.

[2] S. Heschel,  Abraham Geiger and the Jewish Jesus, Chicago Studies in the History of Judaism 1998.

[3] Zu den religions-politischen Verhältnissen im Umfeld Jesu in Jerusalem vgl. noch Jens Schröter u. Christine Jacobi (Hg.), Jesus Handbuch, Mohr Siebeck Verlag 2017, 185-213.

[4] Zur Bedeutung der semitschen Wurzel ṣdq im AT vgl. Justesen, Jerome P., On the Meaning of "Sadaq", Andrews University Seminary Studies (AUSS) 2.1 (1964): 53-61. Zur Lehre des „Zaddik“ im Hasidismus vgl.E. Grötzinger, Jüdisches Denken, II, Campus Verlag 2005, 870-884.

[5] A. Geiger, Urschrift und und Übersetzung der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der inneren Entwicklung des Judenthums, Breslau 1857,101-102.

[6] L. Geiger (Hg.), Abraham Geiger: Leben und Lebenswerk, Berlin 1910, 153.

[7]  Zur Beschreibung des Heiligtums nach Mk vgl. Schröter/Jacobi, Jesus Handbuch, 240-245.

[8] Jeremias, Joachim, Jerusalem zurzeit Jesu, Hoch und niedrig, II, Leipzig 1929,79.

[9] In Matth. 3,9 weist Johannes die Meinung der Pharisäer und Sadduzäer zurück, die sich auf Abraham als „Vater“ berufen.

[10] Zur „Dialektik der Liebe“ vgl. H. Corbin,  Alone with the Alone: Creative Imagination in the Sūfism of Ibn 'Arabī, Princeton University Press 1969, 145-157 (https://archive.org/details/AloneWithTheAlone/page/n167).

[12] die narrative Struktur führt logisch zu dem Schluss , dass mit Imrān hier der Vater von Moses und Aaaron und in Vers 35 der Vater Marias gemeint ist.

[13] Zu  ḏurriyya vgl.Tafsīr al-Tustarī, Great Commentaries of the Holy Qur'an, Fons Vitae, Amman, 2011, xxxii (https://archive.org/details/TafsirAlQuranAlAzimBySahlAlTustari/page/n31).

 Neuwirth definiert diesen Begriff als ein „Qurʾanic neologism“ […], which seems to echo Hebrew, zeraʿ, seed, [that] had until then been exclusively ascribed to figures of the Hebrew Bible, an exclusiveness that Q 3:33 appears to call into question through its juxtaposition of the āl Ibrāhīm and the āl ʿImrān“( A. Neuwirth, The House of Abraham and the House of Amram: Genealogy, Patriarchal Authority, and exegetical Professionalism, in: The Qurʾān in Context, Leiden 2010, 499-532).

[14]  Zum Sitz des Lebens  der   größtenteils medinensischen Sure vgl. M. Schöller, Sīra and Tafsīr: Muḥammad al-Kalbī on the Jews of Medina, in: H. Motzki, The Biography of Muḥammad, Brill 2000, 18-48 und Hakan Turan, Über die militärischen Konflikte  des Propheten mit den Juden von Medina, in: Y. Sarıkaya (Hrsg.), Muhammad – Ein Prophet – viele Facetten, Berlin 2014, 195–230. Sofern nicht angegeben, sind alle Koranzitate Übersetzungen der Verfasserin. Der Kürze halber werden die Suren in den Fußnoten nur in Ziffern angegeben.

[15]    Zu سِجِّين /siğğīn, vergl.  R.W.J.Austin, Bezels of Wisdom 1980, 174).

[16] Q 3:42:8.

[17] Q 66:12.

[18]  Vgl. R. Shah-Kazemi, Jesus in the Quran: an Akbari Perspective: http://www.ibnarabisociety.org/articles/rezashah.html.

[19] Q 61:6; vergl. hierzu Q 3:3: nazzala ʿalayka l-kitāba bi-l-ḥaqqi muṣaddiqan li-mā bayna yadayhi wa-ˈanzala t-tawrāta wa-l-ˈinǧīl.

[20] Zur Bedeutung des aaronidischen Priestertums in der Pentateuch-Literatur vgl. Christian Frevel, „… dann gehören die Leviten mir“, Anmerkungen zum Zusammenhang von Num 3; 8 und 18; in: Ernst/Häusl (Hg.), Kulte, Priester, Rituale, Beiträge zu Kult und Kultkritik im Alten Testament und Alten Orient, Festschrift für Theodor Seidl zum 65. Geburtstag,  Eos Verlag 2010, 133-158.

[21] vgl. M. Marx, Glimpses of a Mariology in the Qurʾān, in: The Qurʾān in Context, Leiden, 2010, 533 -64.

 

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                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        1. Ramaḍan 1440

 

     Sure 19

 مريم

    Maryam

 

 

                                                                                                                                وَقَالُوا مَا هِيَ إِلَّا حَيَاتُنَا الدُّنْيَا نَمُوتُ وَنَحْيَا وَمَا يُهْلِكُنَا إِلَّا الدَّهْرُ ۚ وَمَا لَهُم بِذَٰلِكَ مِنْ عِلْمٍ ۖ إِنْ هُمْ إِلَّا يَظُنُّونَ

 

 Und sie sagen: " Es gibt nur unser diesseitiges Leben.

Wir sterben und leben (hier) und nichts zerstört uns außer der (dahinfließenden) Zeit."

Jedoch ist ihnen darin kein Wissen zuteil; sie mutmaßen nur. 

 Al Ǧāṯiya (45),24

 

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                                                                                                                                                                                             14.02.19

 

                                                                                                                                             " ὸ ἀδικεῖν τοῦ ἀδικεῖσθαι κάκιον"                                                                                                                                                                                        Das Unrechttun ist schlimmer als das Unrechtleiden

                                                                                                                                                                                     Platon, Gorgias,  474b

 

                                                                                                                                                       

 

  

 Le Coran et la fonction d’Hermès -

Les trente-six Attestations coraniques de l’Unité 

 

 

                                                LE VINGTIÈME TAWHÎD


                 provenant du Souffle du Tout-Miséricordieux, c'est Sa Parole:

 

  [ فَظَنَّ  أَن  لَّن  نَّقۡدِرَ  عَلَيۡهِ  فَنَادَىٰ  فِی  ٱلظُّلُمَٰتِ  أَن  لَّآ  إِلَٰهَ  إِلَّآ  أَنتَ  سُبۡحَٰنَكَ  إِنِّی  كُنتُ  مِنَ  ٱلظَّٰلِمِينَ]

Et le Possesseur du Nûn (1) lorsqu'il partit en colère et pensa que Nous ne pourrions rien contre lui. Il implora alors dans les ténèbres (zulumât) : « Pas de Dieu si ce n'est Toi ! Gloire à Ta Transcendance ! En vérité, j'ai été, moi, d'entre les injustes (zâlimîn) »


 
Sourate al-Anbiyâ (les Prophètes), verset 87

 

C'est le Tawhîd de la détresse, le Tawhîd de la deuxième personne (2) et celui du soulagement. Tout comme le Souffle du Tout-Miséricordieux a soulagé Muhammad — qu'Allâh répande sur lui Sa Grâce unitive et Sa Paix ! — au moyen des Ansârs ; il dit alors : « En vérité le Souffle du Tout-Miséricordieux me vient du côté du Yémen » ; or, il s'agissait des Ansârs, qui furent existenciés à partir de ce Souffle rahmânien, et qui étaient eux-mêmes les Paroles du Vrai (Kalimât al-Haqq) (3) ; ainsi Allâh a soulagé Jonas — sur lui la Paix ! — en le faisant sortir du ventre de la baleine. Ensuite II a agi avec son peuple de la même manière qu'avec lui en écartant le châtiment après qu'ils l'aient vu fondre sur eux : ils crurent alors — qu'Allâh le rende satisfait de sa communauté ! — et leur Foi leur fut utile. (Allâh) n'a fait cela pour aucune communauté antérieure. La colère de Jonas avait été pour Allâh et à cause de Lui. Dès lors, l'opinion qu'il avait de son Seigneur (4) était qu'il ne le mettrait pas dans l'étroitesse, et c'est ainsi qu'Il fit en réalité : Allâh le dégagea après l'avoir confiné, pour qu'il goûte pleinement la valeur de la grâce qu'Il lui avait faite. De même qu'on dit :

La plus grande douceur de la sécurité 
Est pour celui qui est dans la crainte et la frayeur.

 

Allâh montra que Jonas était aimé de Lui en donnant à cause de lui à son peuple un privilège qu'Il n'avait accordé à aucune communauté antérieure. En outre, Il nous le fit savoir en disant : « S'il avait pu y avoir une cité qui ait cru et à qui sa Foi ait été utile ! A l'exception du peuple de Jonas : lorsqu'ils crurent, Nous avons écarté d'eux le châtiment de la disgrâce dans la vie de ce monde et Nous les avons maintenus dans la jouissance, pour un temps. » (Cor., 10,98). Il les prolongea donc dans cette jouissance en compensation de la souffrance qu'ils avaient endurée à la vue du châtiment.

Il est bien connu que les nuits d'intimité et de communion amoureuse paraissent plus courtes à l'âme de l'homme, même si leur durée est longue en réalité, alors qu'au contraire les nuits de séparation et de châtiment lui paraissent longues, même si leur durée est courte. On mentionne du reste, à propos des Jours de l'Antéchrist, que le premier jour sera comme une année à cause de la violence soudaine de l'épreuve qui se prolongera pour eux (5) ; le suivant comme un mois ; le suivant comme une semaine ; ensuite, lorsque (les hommes) s'y seront habitués, ces jours seront comme les jours ordinaires que n'allonge ni ne raccourcit aucun état particulier. L'on dit encore, au sujet du Jour de la Résurrection que sa mesure (miqdâr) sera de « cinquante mille ans » (Cor., 70,4) du fait de la terreur de celui qui en sera le témoin et de ce que les créatures y verront de terrible, alors que pour ceux qui s'y trouveront en sécurité et que n'attristera pas la grande terreur (6) sa durée sera comparable à celle des deux rakates de la Prière de l'Aube (7). Quel rapport y a-t-il donc entre le temps correspondant à la durée de cette prière et celui de cinquante mille années ?

Du fait que l'épreuve s'était intensifiée pour le peuple de Jonas et que, à la vue du châtiment, l'instant temporel leur avait paru semblable à une année ou même plus prolongé encore, le Très-Haut, comme Il l'a mentionné (dans son Livre) compensa la longue durée qu'ils avaient éprouvée en « les maintenant dans la jouissance, un temps ». Ils demeurèrent ainsi dans la grâce de la vie de ce monde durant une longue période, ce qu'ils n'auraient pas obtenu sans cette épreuve. Considère donc l'excellence de la manière dont sont équilibrées les choses : on dit en effet que le laps de temps (hîn) qu'Il a établi comme terme à leur jouissance n'est autre que la Résurrection ! Mais Allâh est plus savant.

Nous avons vu quelqu'un qui a vu lui-même l'un d'entre eux et qui nous a montré la trace de son pied sur le rivage en disant : « Il me précédait de peu, mais je n'ai pu le joindre. » Je mesurai alors la longueur de son pied sur le sable ; il était de trois empans et un tiers (8).

Il faisait partie du peuple de Jonas. Il nous avait été envoyé avec un message verbal (kalâm) sur les événements qui devaient se passer en Andalousie, où nous étions, durant les années 585 et 586 (9). Il n'y a rien qu'il ait mentionné que nous n'ayions vu se produire comme il l'avait annoncé.

Considère donc la sollicitude divine à l'égard de ce prophète et aussi l'« aveu » que ce dernier a rendu manifeste dans son Tawhîd !

 

(1) Il s'agit de Jonas (Yûnus).
(2) Littéralement, en arabe, de « celui auquel s'adresse le discours ».
(3) Les « Ansârs » sont assimilés ici aux « Paroles du Vrai ». Ce terme fait ainsi référence aux Prophètes et aux Envoyés qui, depuis Adam jusqu'à Muhammad, communiquèrent ces Paroles et qui, d'un point de vue initiatique, peuvent également leur être identifiés. Le mot kalimât a donc ici le même sens que dans l'intitulé des différents chapitres des Fusûs.
(4) Allusion au hadith qudsî où le Très-Haut déclare : « Je suis auprès de l'opinion que Mon serviteur se fait de Moi. »
(5) C'est-à-dire ceux qui connaîtront ce jour.
(6) Allusion à Cor., 21,103 ; cf. aussi le hadîth qudsî n° 6 du Mishkât al-Anwâr.
(7) Suivant l'exemple prophétique, les mouvements de cette prière doivent être faits de manière légère et non prolongée.
(8) Soit environ 75 cm.
(9) Effectivement, Ibn Arabi s'y trouvait lui-même à cette époque.

 

 

 

Ibn Arabî, Chapitre 198 des Futûhât, extrait du livre Le Coran et la fonction d’Hermès, Traduction et présentation d’un commentaire d’Ibn Arabî sur les trente-six Attestations coraniques de l’Unité divine, Charles-André Gilis, Al-Bustane, Paris 1994, p.132-135.

 

 

Weiterführende Literatur:

 Daniel Vorpahl, Vom Voraussetzen und Wiederentdecken des Narrativ: Die islamische Yūnus-Rezeption im Lichte jüdischer Jona-Traditionen, in: PaRDeS 22 (2016), 31-48.

 

 

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  02.12.2018                                                                                                                                                                                                                                                                           عَلَيْهَا تِسْعَةَ عَشَرَ

Über ihr ist  19.

                                                                                                                                          Al Muddaṯṯir (74), 30 

 

 

 Sure Ibrahīm  (14)

Verse 28 -52

                                                                                                                                                                                 _____________________________________________________________                    

 

 

                                                                                                                                                                                                       11.09.2018

                                                                                                                                                                                                                                                                                01.01. 1440

 

 

                                                                                    Al Faǧr  (89)

                                                                                      سورة الفجر

                                                                           Der Tagesanbruch

 

 

 

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                                                                                                                                  03.07.18

       

                                                                                                   „I know what  you not know.“

                                                                                              

                                                                                                Henry Corbin, Cyclical Time and Ismaili Gnosis,

                                                                                                                                                              Kegan Paul International, London 1983, 45.

 

 

                                                                                                     

 

                                                                                                        Al-adīd (57) - Das Eisen (medinensisch)

 

                                                "He merges (yûliju) the night into the  daytime,

                                                                                 and  He merges the daytime into the night (57,6)."

 

Mohamed Haj Yousef, Ibn ‘Arabî – Time and Cosmology, Routledge, Oxon, 2008, 103.

 

                                                                                                                                                                                           

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                                                                                                                                                                                                          02.01.2018

 

 

                                                                                                                                                                            مَا فَرَّطْنَا فِي الْكِتَابِ مِنْ شَيْءٍ

                                                                                                                                            Nichts haben Wir im Buch ausgelassen.

                                                                                                                                        Al-Anʿām (6),38 […]

 

Die zweite Sure als Neue Tora

 

I Der allgemeine Teil der Sure Baqara (Verse 2–29)

 

Dieses Buch wird als ein „Buch ohne Zweifel“ verstanden.

Soweit der gesamte Koran oder in diesem Fall die Sure Baqara als Offenbarung angesehen wird und diese Offenbarung insgesamt einen göttlich-perfekten und linear-informativen Charakter haben soll, ergeben sich tatsächlich aus der Perspektive der Einheitlichkeit und Logik des Korans viele Widersprüche im Einzelnen.

Auch wenn der westliche Wissenschaftler allzu leicht mit dieser Widersprüchlichkeit leben könnte, liegt das Problem doch tiefer, als es scheint: Muhammad/der Koran scheint diese Widersprüche nicht empfunden zu haben.

Nach seinem Eigenverständnis gilt – gleich zu Beginn nach der nun vorliegenden Ordnung der Suren – gemäß diesem Vers Baqara 2, dass dieses „Buch“ ohne Zweifel sei.

Diese Bemerkung, die nach der Eröffnungssure gewissermaßen den Auftakt des Korans bildet, ist nach ihrer Bedeutung zu befragen. Während die islamische Auffassung dazu neigt, solche internen Selbstaussagen absolut zu setzen, scheint die Wissenschaft ihnen nicht genügend Wert beizumessen, und sie verliert damit ein wesentliches Interpretament des Korans und seines Selbstverständnisses.

Zu dieser Aussage der Zweifellosigkeit von Baqara 2 liegt eine nahe Parallele

in Ps 19,8, einem Vers, in dem es heißt: „die Tora / Weisung Jahwes / Gottes ist

vollkommen.“

In sich gesehen erscheint dem Glaubenden die göttliche Offenbarung

perfekt: Gott kann nicht mehr tun, als sich zu offenbaren, und wenn er sich

bzw. sein Wort offenbart, dann tut er dies nicht falsch oder irreführend.

Nun liegt der Wert dieser Aussage für den Religionswissenschaftler weder darin, dass die inhaltlich-informative Richtigkeit des Korans (oder auch der Tora) verifiziert oder falsifiziert werden müsste. Ein solches Vorgehen verleitet gelegentlich dazu, die Richtigkeit oder Unrichtigkeit des Korans als Glaubenswerk aufzuzeigen, eine Aufgabe, die dem Apologeten oder Religionskritiker zukommt, jedoch für ein religionswissenschaftlich nachvollziehendes Verstehen des Korans fehl am Platz wäre.

In diesem Sinn geht es in Baqara 2 vielmehr darum, dass der Koran

selbst sich in seiner eigentlichen Aussageintention als stimmig bzw.

Gott gegenüber als wahr oder auch als authentisch versteht.

(Die sog. Abrogationsformel – vgl. z.B. Baqara 106, s.u. – scheint mir nicht nur eine spätere Auslegung zu sein, sondern auch dem Gesamtduktus des Korans zu widersprechen.

Warum sollte der „allmächtige und allwissende“ Gott vorher etwas inhaltlich anderes offenbart haben als später – und das auch noch innerhalb ein und desselben Korans, wenn doch die inhaltliche Identität sogar der Botschaft aller Propheten durch den Koran behauptet wird.)

Soweit der Koran als reines Offenbarungswort verstanden wird, das an einen Propheten erging, entspricht diesem Offenbarungsverständnis etwa die Prophetenformel der biblischen Propheten:

„So spricht Gott/ Jahwe“. Dieses Buch wäre also insofern ohne Zweifel, als es das reine Offenbarungswort wiedergibt.

Auf Ps 19,8 ff als religionsgeschichtliche Parallele zu Baqara 2 wurde bereits

hingewiesen. H.-J. Kraus bezeichnet in seinem Psalmenkommentar den gesamten Abschnitt Ps 19,8–15 als „Lobpreis der Thora“[1].

Dieser Abschnitt mag ursprünglich ein eigenständiger Teil gewesen sein, der als Kultlied im „Gottesdienst Israels angestimmt worden sein“[2] wird.

Dieser „Lobpreis der Thora setzt voraus, dass die Thora als eine komplexe, schriftlich fixierte Größe von hoher Autorität im Leben der alttestamentlichen Gemeinde eine besondere Rolle spielte.“[3]

 Als zugrunde liegendes Verständnis dieser Thora nach dem genannten Psalm formuliert Kraus:

„Thora ist die abgeschlossene, niedergeschriebene Willenskundgebung Gottes,

die verlesen (Deuteronomium 31, 9–11) und gelesen (Josua 1,7; Psalm 1,2) wird.

In dieser göttlichen Willensäußerung, die vor allem Gottesrecht enthält, sind

auch die Geschichtsverkündigungen einbezogen (Deuteronomium 1,5; Psalm

78,1; Nehemia 8,13 ff). Doch das eigentliche Zentrum der Thora ist und bleibt

das durch Mose übermittelte Gottesrecht (Maleachi 2,22). Auf jeden Fall aber

ist Thora [...] die autoritative gültige ‚Heilige Schrift‘.“ [4]

 Diese wird als „tamima“ (etwa: perfekt) beschrieben. Der von Kraus genannte Vers der Bibel geht davon aus, dass diese Thora Tag und Nacht rezitiert wird:

„[Wohl dem Mann der] Freude hat an der Weisung [Thora] des Herrn,

und über die Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.“ (Ps 1,2)

Dieser Vers erlaubt bereits, eine Entsprechung der Stellung der Thora innerhalb

des Judentums zu dem in Baqara 2 genannten „kitab“ innerhalb des Korans

selbst und schließlich innerhalb des Islams zu sehen. Beide Werke bilden die

Rechtleitung Gottes und stellen die autoritative gültige „Heilige Schrift“ innerhalb ihres Religionskontexts dar.

Über diese formale Analogie hinausgehend wird in Bezug auf Baqara deutlich, dass auch der Inhalt beider Schriften analog gesehen wird:

Wie die Thora enthält Baqara zumindest in den entscheidenden

Eckpunkten die „Geschichte“ Gottes mit den Menschen von Adam bis zur

(damaligen) Gegenwart, und sie beinhaltet auch das „Gottesrecht“gerade dieses Gottesrecht in der Geschichte des Verhältnisses von Gott und Mensch ist das Thema des zweiten Teils der Sure Baqara; den vierten Teil bildet, wie erwähnt, vorrangig der Inhalt dieses Rechts selbst.

[…]

 

Die zweite Sure als Neue Tora

 

Mikroebene und Makroebene

In der Analyse der einzelnen Verse von Baqara wurde ein durchgehender und eindeutiger Bezug zu jeweiligen Aussagen und Überlieferungen der biblischen Tradition, besonders aber der Bibel/Tora aufgezeigt.

Doch auch auf der Makroebene des Aufbaus der gesamten Sure Baqara zeigen sich deutliche Parallelen zum Aufbau eines bestimmten biblischen Werks, der Tora als den fünf Moses zugeschriebenen Büchern. […]

Vom Standpunkt des Islams aus gesehen gilt jedoch Baqara in ihrem geschichtlichen wie auch in ihrem gesetzlichen Teil gegenüber der Tora aus souverän; in ihrer religiösen Bedeutung ist sie von ihr unabhängig.

Soweit beide Offenbarungen gegenübergestellt werden, hat sich – spätestens seit der Umwendung  zur Kaaba und damit auch der praktischen Lösung von den biblischen Religionen – die biblische Offenbarung aus der Sicht des Islam am Koran zu messen und damit auch die Tora an der Baqara.

Der Koran und damit auch die Baqara gelten im Islam als unverfälschtes absolutes Offenbarungswort.

Nach diesem Verständnis wird die an Muhammad ergangene Offenbarung zum Bestimmenden („regens“) und die biblische Offenbarung zu dem, was durch sie bestimmt wird („rectus“).

So kann sich der Koran und insbesondere die Baqara durchaus annähernd vollständig im biblischen Kontext befinden und doch in diesem ihre eigenständige Position behaupten. Diese Stellung nimmt Baqara (bzw. der Koran) nach ihrem Selbstverständnis ein, wenn sie sich als Aktualisierung der Religion Abrahams und als Korrektiv der biblischen Religionen gegeben sieht – als ein Korrektiv, das von demselben einen Gott[heit] gegeben ist, der  von Abraham erkannt wurde, der Moses das Gesetz gegeben und der  Jesus durch sein  göttliches Wort „geschaffen“ hat.

Gerade auf der Grundlage eines solchen Selbstverständnisses lässt sich die weitgehende Parallelität und Übereinstimmung von Baqara (bzw. Koran) mit den Schriften der biblischen Religionen nachvollziehen, aber auch ihre  Selbstbestimmtheit und Souveränität diesen gegenüber.

 

 


[1]2 H.-J. Kraus 1961,154.

[2]  Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd. 157.

 

 

 

 

 Bertram Schmitz, Der Koran: Sure 2 "Die Kuh". Ein religionshistorischer Kommentar, Kohlhammer, 2009,17-18, 345-46.

 

 

 

 

 

   

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                                                                                                                                                  29.11.17

Mathias Rohe: Der Islam im säkularen Europa

 (Religion und Gesellschaft - BR - 09.11.2016)

  

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                                                                                                                                                                                                                 09.06.2017

                       

                                                 

 Sure Al āqqah (69) - Die Gewissheit

 Mishary Rashid Alafasy 

                                                      (Ramadan 1427/ September 2006)

 

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Rashed Alafasy Surah Al Haqqah (1427) -
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   Vers 17:

Zu Vers 17 [1] der Sure Al Ḥāqqah (69) schreibt Ibn Arabi in seinem Buch “Mawâqi' an-Nujûm“ [2] („(Zusammen-)Fallen der Sterne“ = Sternkonstellation), dass dieser Vers einen durch eine bestimmte (?) Sternkonstellation bedingten Wechsel von der Erde (4) zum Himmel (8) darstellt. Dieser kosmische Wechsel führt einen neuen Rhythmus ein, in diesem Fall die Oktave, in der es acht Wissenschaften gibt, denen jeweils eine Lichtform zugeordnet ist.  Diese Lichter lobpreisen Gott in acht Sphären und haben jeweils ihre eigenen Kulminationspunkte und ihren eigenen Äquator.  Zu den acht Sphären konstitutierenden Gliedern (Hören, Sehen, Sprechen, Hand, Bauch, Geschlecht, Fuß und Herz) gibt es acht entsprechende Zeichen (‘alâmât), Aufenthaltsorte (manâzil) und Charismen (karâmât).

Zur Erlangung dieser „himmlischen“ Wissenschaften bildet das Herz das Zentrum der mentalen, inneren Reise und entspricht der kaba, sowie die Pilgerreise (Al Ḥaǧǧ) die äußere Reise darstellt.

Es ist der archetypische Ort der Manifestation aller Geheimnisse durch göttlichen Beistand (tawfîq), da der Mensch eine edle Zusammenfassung( mutasar sharîf) des Universums ist. Durch seine Übereinstimmung  (mawâfaqah)  mit dem Buch (Gottes) ist er der Sammel-und Treffpunkt aller existierenden Dinge, die im Makrokosmos zerstreut sind.

Die höchste der Sphären ist das Licht des(Auf-) Leuchtens, des Blitzes und symbolisiert die Erschaffung der reinsten Einheit (tawîd); diese Sphäre ((malakût =malchuth) entspricht makrokosmisch dem "Aufgehen der Sonne im Westen" (am Ende der Zeit) und mikrokosmisch der Auslöschung durch Kontemplation ((al-fanâ'fî l-mushâhada).

 

 Eine ausführlichere Zusammenfassung der  Mawâqi' an-Nujûm  von Denis Gril  unter: www.ibnarabisociety.org

 

Als Umwelttext ließe sich zum selbigen Koranvers 17 der Al Ḥāqqah (69) neben Ezechiel (1,4-28  (=Ḏū l-Kifl , vgl. Fußnote 1)) zeitlich näher die Offenbarung  des Johannes 12,1 anführen:  

 

Καὶ σημεῖον μέγα ὤφθη ἐν τῷ οὐρανῷ, γυνὴ περιβεβλημένη τὸν ἥλιον, καὶ σελήνη ὑποκάτω τῶν ποδῶν αὐτῆς καὶ ἐπὶ τῆς κεφαλῆς αυτῆς στέφανος ἀστέρων δώδεκα.

 

Und ein großes Zeichen wurde im Himmel gesehen: eine Frau, bekleidet mit der Sonne und der Mond unter ihren Füßen und über ihrem Kopf eine Krone aus Sternen an zwölf.

 

Wie Wilhelm Bousset zu Kapitel 12,1 der Johannes-Apokalypse, das er als den "Höhepunkt der apokalyptischen Weissagung" bezeichnet, bemerkt, bedeutet σημεῖον „keineswegs [.. ] irgend eine beliebige Erscheinung, sodaß also alle Vorgänge der Apk σημεῖα genannt werden könnten, - sondern ein Wahrzeichen in einem ganz besondern Sinn. Es hat wenigstens ursprünglich eine ähnliche Bedeutung wie das σημεῖον ἐξ οὐρανοῦ (Lk 11,16. Mk 8,11-13) und das σημεῖον des Menschensohnes (Mt 24,30). Es ist also ein Zeichen ganz außerordentlicher Art gemeint, ein solches, das den Anfang vom Ende bedeutet.“ [3]

 

 


[2]Kitāb mawāqiʻ al-nujūm wa-maṭāliʻ ahillat al-asrār wa-al-ʻulūm: Das Zusammenfallen der Sterne und der Aufgang der Neumonde der Geheimnisse und Wissenschaften", zur Namensgebung vgl. Neuwirth, corpus coranicum, Kommentar zu Vers 75 der Al Wāqiʿah (56)

[3] Wilhelm Bousset, Die Offenbarung Johannis, Göttingen, 1906,335.

 

 

 

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                                                Vom Wesen des Lichts

                                                      

 

                                                                                                                 وَخَلَقۡنَـٰكُمۡ أَزۡوَاجً 

 

                                                                      Denn Wir haben Euch als  Paare  erschaffen.

                                                                      An-Nabaʾ (78), 8

 

 

 

                          Der Licht-Mensch und sein Führer

 

 

denn du bist bei mir…

bis an meiner Tage Ende

 Psalm 23,4.6

 

 

           Die hermetische Idee von der Vollkommenen Natur

 

 

Man mißbraucht leicht das Wort Synkretismus. Meist wird dieses Wort als Argument verwendet, um zu vermeiden, irgendein großzügiges Projekt zu erwägen, das Lehren in die Gegenwart zurückbringt, von denen es hieß, sie gehörten, einer abgeschlossenen Vergangenheit an. Allein, nichts ist schwankender als dieser Bergriff „Vergangenheit“; er hängt tatsächlich von einer Entscheidung oder Vorentscheidung ab, die immer selbst schon überholt sein kann  durch eine andere, die jener Vergangenheit die Zukunft zurückgibt.

 

So ist es ein wenig im Verlauf der Jahrhunderte mit der Geschichte der Gnosis. Die Einführung einer 'orientalischen Theosophie' (ḥikmat al-ischrāq) durch Suhrawardi im 12. Jahrhundert ist auch einem ebenso summarischen wie unverdienten Urteil nicht entgangen, das von solchen stammt, die nur rasche und oberflächliche Kenntnis von ihr hatten. Wie bei jeder anderen persönlichen  Systematisierung, findet man in der Tat in ihr materiell identifizierbare Elemente; sie gehören dem Hermetismus, dem Zoroastrismus, dem Neuplatonismus, dem islamischen Sufismus an.

Aber die Anordnung dieser Materialien in einer neuartigen Struktur ist von einer zentralen Intuition befohlen, die ebenso originell wie beständig ist. Diese zentrale Intuition zeigt sich klar  in einer gewissen Anzahl von Gestalten; die Rolle, welche die hermetische Gestalt der Vollkommenen Natur (aṭ-ṭibā aṭ-ṭamm) unter ihnen erhält, ist besonders bemerkenswert.

Ein wesentliches Detail: es ist allein die hermetische Tradition in arabischer Sprache[1], die uns erlaubt, sie in ihrem Kontext zu erkennen. Sie lehrt uns, dass die Vollkommene Natur, der himmlische paredros, der Licht-Führer des Weisen ist. Um seine Rolle und ihre Manifestation zu verstehen, muss man sich die Anthropologie vorstellen, mit der sie unlösbar verbunden ist, eine Anthropologie, deren Held der Licht-Mensch ist, von Finsternis gefangen und sich von der Finsternis losreißend. Die gesamte Ideologie und Erfahrung, die als Mittelpunkt die Manifestierung der Vollkommenen Natur haben, setzen diese Begriffe des Licht-Menschen und des kosmischen Abenteuers, das er durchlebt, voraus.

So allein kann man verstehen, wie das Paar, die dialogische Einheit des Licht-Menschen und seines Führers, verknüpft ist, von denen die hermetische Tradition arabischer Sprache bis zu Suhrawardi so häufig spricht.“

 


[1] S.L. Massignon, Inventaire de la littérature hermétique arabe, in A.J. Festugière, La revelation d’Hermes Trismegistos, I, Paris 1944, Appendixc 3; [ Zosimos war ein ein christenfeindlicher Grieche; vgl.C.G.Jung, „Einige Bemerkungen zu den Visionen des Zosimos“, (Eranos, JB. V, 1937)]

 

 Henry Corbin, Die smaragdene Vision: der Licht-Mensch im iranischen Sufismus, aus dem Franz. übertr. und hrsg. von Annemarie Schimmel, München 1989, Seite 33.

 

 

 

 Hierzu vergl. auch A. Toepel, Die Adam- und Seth-Legenden im Syrischen «Buch der Schatzhöhle». Eine quellenkritische Untersuchung, Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Subsidia 119, Peeters 2006, Seite 104:

 

„ Der von den sogenannten harranischen  Sabiern verehrte Hermes wurde nach den Berichten der islamischen Polygraphen von diesen selbst mit dem biblischen Henoch und dem im Koran auftretenden Idris identifiziert [..]. Es besteht daher die Möglichkeit, daß sich hier eine ältere, ursprünglich mit der Himmelfahrt Henochs verbundene Tradition erhalten hat, die auch dem Verfasser der Schatzhöhle bekannt war und von ihm auf die Versetzung Adams ins Paradies angewandt wurde […].“

 

 

weiterführend zum Thema Licht:

 

 Light & Knowledge

The Muhyiddin Ibn 'Arabi Society 33rd Symposium 

Wolfson College, Oxford March 2016

 Ahmad Sukkar: The Structure of Divine Light and Human Knowledge 

 

 

 

mehr zu Henry Corbin (1903-1978) : The Legacy of Henry Corbin

 

 

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Liebe und Mystik im Islam          

 

 وَشَاهِدٍۢ  وَمَشۡهُودٍۢ 

Beim Zeugen und dem Bezeugten 

Al Burūǧ (85), 3

                         

 

                                         Die mystische Liebe

 

"Die legalistische Konzeption der Liebe stellt die eine Seite der religiösen (oder: heiligen) Liebestheorie dar. Auf der anderen Seite stehen die mystischen Ideen über dieses elementare menschliche Gefühl.[1]

 

 www.hattat.de    

Mit den  Sufis wird die amouröse Leidenschaft der   Liebe zu einem Teil des Glaubenslebens. Es ist  eine natürliche Weiterentwicklung der                         gemessenen Zuneigung, die im Koran erwähnt wird.

Išq beschreibt das 'grundsätzliche Verlangen' nach Gott und die Gottesliebe als essentielles Attribut, das das Herz eines Mystikers erfüllt. Mystische Liebe ist nicht nur Ausdruck der Dankbarkeit für Gottes Segnungen; sie gibt sich nicht länger mit strenger Askese und peinlicher Einhaltung der Rituale zufrieden. Sie wird zur absoluten Notwendigkeit, die weder Freude noch Erleichterung mit sich bringt, aber mit dem Einsetzen der Reziprozität der Perspektiven zwischen dem Liebenden und dem Geliebten eine Intensivierung erfährt.

 

In der Geschichte des taṣawwuf nimmt, so lesen wir bei Louis Massignon und Louis Gardet, al-Ḥallāǧ (gest.309/922) eine hervorgehobene Stellung ein, wenn es um das Prinzip waḥdat  aš-šuhūd geht.[2]

 

Es wurde verschiedentlich vorgeschlagen, diesen Ausdruck als 'unity of vision', 'unity of look' oder, als 'unity of presence' wiederzugeben. Jedoch bezeichnet šuhūd  eigentlich den Akt  des 'Anwesend-Seins' oder 'Zeuge-Seins' bei etwas; daher erscheint es ratsam, die Bedeutung 'unity of witness' beizubehalten. Die waḥdat  aš-šuhūd ist nicht nur ein 'Sehen' oder ein 'Blick', sondern eine tatsächliche Anwesenheit, die ganz Zeuge ist: es ist Gott, der sich selbst im Herzen seines Anhängers bezeugt.

Diese Einheit mit Gott führt zu einer Vereinigung, die keine Vereinigung der Materie ist, sondern durch den Akt des Vertrauens und der Liebe funktioniert, die in der Leere des eigenen Selbst den Liebenden Gast (=Gott) willkommen heißt, 'die ‚Essenz, deren Essenz die Liebe ist‘, wie es al-Hallağ formulierte.

 

Der Unterschied zwischen mystischer und 'romantischer' Liebe liegt, so formuliert es Hellmut Ritter in einem wegweisenden Aufsatz über arabische und persische Schriften über die profane und die mystische Liebe, darin begründet, dass der Gegenstand der mystischen Liebe ‚ein transzendentes, absolutes Objekt‘ ist. [3]

Durch die Konzentration auf etwas so Reines und Hehres erhält die Liebe selbst eine wesentlich größere Bedeutung. Sie erhebt nun den Anspruch des Vorrangs und sogar der autokratischen Herrschaft über alle anderen Regungen des Gemüts.

Die erotischen Aspekte des Liebens werden intensiviert, verfeinert und aufs Äußerste kultiviert. Die Liebe wird regelrecht zur Psychologie, und der Suchende muss mit virtuoser Hand die anspruchsvollsten, kompliziertesten Weisen spielen, will er auch die letztmöglichen versteckten Winkel seines Innenlebens erforschen.

Wenn diese im Religiösen erweiterte Liebe sich nun auf ein menschliches Individuum richtet, so entsteht jene stark hybride Form der mystischen Liebe, die ihren höchsten künstlerischen Ausdruck in der persischen mystisierenden Liebeslyrik findet."

 

 



[1] Zu diesem Absatz vgl. Arkoun 1978, Sp.119b. Zur „sufischen“ Liebe siehe auch Schimmel 1979 und vor allem  das Kapitel 27 in Ritter 1955.

[2] Vgl. dazu und zum Folgenden Massignon/Gardet 1971, Sp. 102a-b.

[3]Vgl. zu den nächsten drei Absätzen Ritter 1933, S.89-91.

 

                 

   

weiterführend:

 

SWR2 Wissen

Rose und Nachtigall

Von Sufis und Derwischen

 

Ein Hörspiel von Reinhard Baumgarten

 

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Zur Sure 56: Al-Wāqiʿa -  die (Ein-)Treffende

 

 

 Der Erzengel Israfil mit der Posaune des Jüngsten Gerichts.

Miniatur aus  al-Qazwînîs (1202-1282) kosmographischer Schrift " die Wunder der Schöpfung", Archiv für Kunst und Geschichte Leipzig: akg-images.

 

 

 

 

  

                                                      Umwelttexte zum qurʾān:

 

Jakob von Sarug  (451-521, heute Suruç):

 

                       Gedicht über das Weltende und den Tag des Gerichtes.

 

Furchterregend, hart, bitter und voller Aufregung ist Sein [der Ankunft Jesu, d.h. des Jüngsten Gerichts] Tag: Die Strenge des Feuers, welches Dornen und Unkraut verschlingt.

Die furchterregende Stimme der nächsten Posaune, welche die Erde auflöst: Sie zerstört und bringt nieder die Welt der Reichtümer.

 Die Wächterengel, die aus dem Haus des Vaters hinausgehen, um zu rächen: sie versammeln die gesamte Welt für das endgültige Gericht.

 

Das Zittern, welches die Erde erschreckt und sie wie ein Netz zusammenzieht: und ihre Schönheit und Taten werden zu nichts werden.

Sonne und Mond und alle Mächte des Firmaments werden fallen wie Blätter von Bäumen.

Das Zeitenrad löst sich aus dem Getriebe, und Abende und Morgen, welche daran gebunden sind, fallen von ihm ab.

Der schnelle Lauf von Nächten und Tagen erstarrt, steht am Übergang und bewegt sich nicht mehr.

Der Weg der Zeiten und Perioden geht zu Ende, und er läuft nicht mehr, die gewohnten Aufgaben zu verrichten.

Das Zeichen, welches über dem Untergang der Mächte steht, entblößt die himmlischen Sphären und wirft sie aus ihrer Anordnung.

Sommer und Winter folgen einander nicht mehr wie gewohnt: die Zeiten gehen zu Ende, und das Getriebe der Welt hört auf.

Das ansehnliche Firmament ist entblößt von seinen Bildern, und nackt steht es ohne den Schmuck seiner Leuchten.

Das aufgeregte Gerenne der inkarnierten Menschen: Alles Gerede, alle Geschichten und Taten sind zu Ende. 

 

 

 

 

 

Die  (Ein)Treffende  (56)

 

Anmerkungen  

 

Zu Vers 9 :           Und die Genossen der linken Hand.

                          Was sind die Genossen der linken Hand

 

In seiner kurzen Abhandlung  Die Reise zum Herrn der Macht (Risālat al-anwār fīmā yumnaḥ  ṣaḥib al-ḫalwa min al-asrār) schildert Ibn Arabi seine Begegnung mit Adam im ersten Himmel, der ihn darüber aufklärt, dass die koranische Bezeichnung " die Genossen der Linken Hand" sich in Wirklichkeit auf seine (Adams) Hände beziehen - gemäß einem Hadith, wonach Adam auf die Frage Gottes, welche Seiner Hände er wähle, dieser antwortete: " Ich wähle die rechte Hand meines Herrn, obwohl beide Hände meines Herrn recht sind und gesegnet", ebd.,  Chalice Verlag 2007, 109).

 

 

 

Hier eine Interpretation des kuwaitischen

Koranrezitators Mishary Rashid Al-Afasy :

 

 

 

 

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Prof. Dr. Gudrun Krämer
Der Islam

 

Religion und Staat sind im Islam keineswegs so unauflöslich miteinander verknüpft, wie unter dem Eindruck des zeitgenössischen Islamismus, der diese Einheit postuliert, weithin angenommen wird. Auch im Islam haben sich Religion und Politik frühzeitig ausdifferenziert, ohne sich jedoch ganz voneinander zu lösen. Eine Kirche als verfasste Institution kennt der Islam allerdings nicht, so dass Säkularisierungsprozesse nicht als Trennung von Kirche und Staat verstanden werden können. Von großer Bedeutung ist jedoch das religiöse Recht, die Scharia, deren Anwendung die Islamisten heute so vehement fordern. Daher kreist die Säkularisierungsdebatte um die  Möglichkeiten, Folgen und Gefahren einer Anwendung der Scharia.

 

Vortrag unter: www.tele-akademie.de

 

 

 

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Der Fastenmonat Ramadan

Mich dürstet!

Joh 19,28

 

 

Und Er beugte Dich und ließ Dich Hunger leiden, und Er ließ Dich das Manna essen, das Du nicht gekannt hattest und deine Väter nicht gekannt hatten, damit Er Dich erfahren ließe, dass nicht vom Brot allein der Mensch lebt, sondern  von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht.

Deut 8,3

Grundlagen   im Koran

Al-Baqara (2),183:

Ihr, die Ihr glaubt, vorgeschrieben ist Euch das Fasten wie es denjenigen vor Euch vorgeschrieben war, auf dass Ihr Euch schützt[1]!

(2,184) – eine bestimmte Anzahl von Tagen. Wenn aber einer von Euch krank oder auf Reisen ist, (der) kann zum Ausgleich an anderen Tagen (fasten).

Und  jene, die es vermögen, können stattdessen einen Armen speisen.

Wer aber von sich aus Gutes tut, für den ist es besser, so wie das Fasten für Euch besser ist, wenn Ihr es  nur wüsstet!

(2,185) Der Monat Ramadan ist der Monat, in dem der Koran herab gesandt wurde als Rechtleitung für die Menschheit und als Aufklärung über die Rechtleitung und Unterscheidung.

Wer von Euch in diesem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten.

Wer aber krank oder auf Reisen ist, der soll an anderen Tagen die Anzahl nachholen.Gott möchte für Euch das Leichte, Er möchte für Euch nicht das Schwere!

Darum also erfüllt die Anzahl und verherrlicht Gott dafür, dass Er Euch recht geleitet hat, auf dass Ihr vielleicht dankbar seid.

 

Sure al-Baqara (2), 183-186

 

[1]tattaqūna: wird häufig mit "gottesfürchtig" übersetzt; im Grundstamm (I) bedeutet die Wurzel " waqā" (وَقَىٰ) etwas be-hüten,

be- schützen", als Morphem des achten Stammes (VIII) wie hier in diesem Fall hat es reflexive Bedeutung: " sich (durch Fasten) schützen".

Grundlagen in der Überlieferung

Abu Hurayra berichtet vom Gesandten  folgende Worte Gottes: "Jede Handlung des Adams Sohn gehört ihm außer dem Fasten.

Das Fasten ist Mein und Ich werde es ihm vergelten.

Fasten ist Schutz. "

[...]

Muslim 13:163

 


 

"Herausforderung Fasten" (GA,Bonn,01.07.16)

 

Über die Geheimnisse des Fastens

 

Oh Du, der da lacht im Gewand des Weinenden

                 Bei uns bist Du der Angeklagte und Kläger zugleich            

          Ist  das Fasten Enthaltsamkeit ohne Erhöhung?

                                                      Oder Erhöhung ohne Einschränkung?

                                                       Sie sind beides zusammen für den,

                                                    Der die Einheit durch diese Verbindung bestätigt.

                                                     Der Intellekt ist gefangen und verhindert, frei zu

                                                       Handeln, ohne  Netz und Fallstrick…

 

                                                   Das Fasten gehört Gott an,

                  Sei also nicht einer der Unwissenden.

                                                  Du bist kaum mehr als der Ort der Manifestation.

 

 

Ibn Arabi, FM, Beirut: Dar al-Kutub al-'Ilmiyah, 2006, 327.