Moderne

 

Gast-Arbeiter

Liest man diesen Begriff mit einer türkischen Mentalität, dann ist die Wortkombination an sich ein Nonsens.

Der Gast und nicht der Kunde ist nach türkischem Selbstverständnis der  König  und entsprechend wird er auch behandelt, d.h. das Beste, was man hat oder besitzt, wird dem Gast angeboten und sei es das eigene Bett zum Schlafen. Demnach wäre es ein Unding, den Gast arbeiten zu lassen. Doch ist dieser deutsch-europäische Begriff am besten aus seinem Sitz des Lebens heraus zu verstehen:

 

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war der Begriff „Fremdarbeiter“ eine übliche Bezeichnung für ausländische Arbeitskräfte in Deutschland. Während der Herrschaft des Nationalsozialismus wurden Ausländer im Zweiten Weltkrieg mit Gewalt zur Arbeit in und für Deutschland gezwungen. Es waren Millionen ausländische Arbeitskräfte, welche als „Zivilarbeiter“ aus ihren Heimatstaaten nach Deutschland deportiert wurden. Zwangsarbeiter aus Osteuropa, insbesondere aus der Sowjetunion, wurden im Sprachgebrauch des Nationalsozialismus meist als „Ostarbeiter“ bezeichnet. Nach dem Sturz Mussolinis und dem Übertritt Italiens zu den Alliierten kamen noch die sogenannten italienischen Militärinternierten hinzu.

Durch die Verwendung des Begriffs im Zusammenhang mit erzwungener Arbeit erhielt der Begriff negative Konnotationen. In Deutschland wurde der Begriff in bundesrepublikanischen Behörden und Medien bis in die 1970er Jahre verwendet[1], insbesondere mit Beginn der verstärkten Einwanderung ausländischer Arbeitnehmer in den 1960er Jahren, in der Umgangssprache aber nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend durch den Begriff „Gastarbeiter“ ersetzt. Inzwischen wird auch der Begriff Gastarbeiter nur noch selten bzw. nur für den historischen Kontext der Nachkriegszeit verwendet. Dies liegt vor allem daran, dass die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften von der Bundesrepublik Deutschland mit dem Anwerbestopp 1973 eingestellt wurde, sich jedoch seither viele ehemalige Gastarbeiter dauerhaft in Deutschland niederließen.

Fremdarbeiter ist eine Bezeichnung für Arbeitskräfte, die insbesondere seit Beginn der Industrialisierung aus dem Ausland zur Arbeit in ein Land gekommen sind. Grundsätzlich werden mit diesem Begriff zwei Gruppen bezeichnet:

Arbeitsmigranten, die freiwillig in einem fremden Land arbeiten.

Zwangsarbeiter, die gezwungen werden, im Krieg oder infolge eines Krieges in einem fremden Land zu arbeiten.

Einwanderer, die für immer aus einem anderen Land immigrieren, werden nicht als Fremdarbeiter bezeichnet, ebenso wenig Sklaven, die zur Arbeit aus einem anderen Land verschleppt wurden. In der Regel umfasst der Begriff auch keine Arbeitskräfte, die kurzfristig für einen bestimmten Auftrag im Ausland arbeiten, zum Beispiel zur Montage einer Industrieanlage.

Während der Begriff Fremdarbeiter durch seinen Gebrauch während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland negativ konnotiert ist, wird er in der Schweiz weiter neutral verwendet. In Deutschland wird er zumeist durch die Begriffe Arbeitsmigranten oder Wanderarbeiter ersetzt.

_______________________________________________________________________________________